Buchtipp: „Erde und Feuer“ von Gisela Jahn und Anette Petersen-Brandhorst

Das Buch trägt den Untertitel: „Traditionelle japanische Keramik der Gegenwart“ und wurde 1984 im Hirmer Verlag, München, verlegt.

So sieht es aus:

Leider blieb es bei einer Auflage, kein Wunder, ist es doch eigentlich ’nur‘ ein Ausstellungskatalog zu einer Ausstellung im Deutschen Museum, München, im Hetjens Museum – Deutsches Keramikmuseum, Düsseldorf und im Museum für Völkerkunde, Berlin in 1984/1985. Das Buch ist also nur noch in Antiquariaten zu finden, dort aber nach meinen Feststellungen mit schöner Regelmäßigkeit. Am Besten bei www.zvab.com suchen.

Die Ausstellung – und entsprechend der Katalog – präsentierte lediglich 67 Arbeiten von 19 Künstlern. Dabei von jedem Töpfer nur ein Stück mit Farbfoto, ansonsten in schwarz-weiß.  Es beschreibt nicht einmal einen repräsentativen Querschnit, denn entscheidende Richtungen wie Raku oder Porzellan sind nicht enthalten. Was hebt das Buch also hervor?

Zum einen sind einfach großartige Stücke von japanischen Spitzentöpfern ausgewählt (die heute leider vielfach schon nicht mehr leben, soviel zum Stichwort „Gegenwart“). Solche Werke sieht man selbst einzeln in Deutschland sehr selten. Ich würde heutzutage sofort nach München fahren, wenn dort wieder eine vergleichbare Ausstellung stattfände.
Zum anderen beschränkt sich das Buch nicht nur auf die Bilder, sondern porträtiert ausführlich die einzelnen Künstler und ihr Umfeld.
Zum Dritten werden – ausführlich bebildert – Hintergrundinformationen in zahlloser Hinsicht gegeben z.B. über Philosophie, Teezeremonie, Ästhetik, Techniken, Werkstoffe, Werkstätten, Öfen. Der westliche Laie kann (nur) so überhaupt anfangen, die Stücke zu verstehen, ihre eigene Schönheit und Besonderheit zu begreifen. Es gilt, einen gänzlich anderen Blick zu bekommen, ein ‚Auge‘ und auch Herz dafür zu entwickeln.

Ich weiß noch, wie mir beim ersten Betrachten eine Schale oder eine Vase als simpel, ja kindisch vorkam. Und wie diese Stücke so gar nicht in mein Bild japanischer Keramik, das damals aus perfekten blau-weißen oder auch bunten Porzellanvasen geprägt war, hineinpassten. Dass es hier um eine ganz andere Art von Perfektion, ein für uns zunächst unsichtbares Auf-die-Spitze-treiben der Verfeinerung geht, beginnt man mit der Lektüre dieses Buches zu verstehen.

Mich als Laien hat das Buch schon begeistert, aber bei (deutschen) Keramikern hat es sich vielfach regelrecht prägend und berufsbestimmend ausgewirkt, wie z.B. Jan Kollwitz meinem Kollegen und mir anlässlich eines Besuches bei ihm mitteilte.

3 Gedanken zu “Buchtipp: „Erde und Feuer“ von Gisela Jahn und Anette Petersen-Brandhorst

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