neuer Pott: Karin Bartelt, Philippe Godderidge, Peter Klube, Reimar Krüger, Hervé Rousseau, Jean-Pierre Viot

Ein schöner Anlass (Geburtstag) hat mir so viel Neues beschert. Unter anderem fünf Chawan, eine Teedose und zwei Tees. Und eine alte Scherbe…
Bei warmem Herbstlicht fotografiert, werde ich nach und nach ein Stück nach dem anderen hier einstellen.

Den Anfang macht die Chawan von Karin Bartelt.



9,5 x 13 cm groß. Nach chinesischen bzw. japanischen Begriffen eine Temmoku-Glasur (also im Normalfall etwas dunkler als auf dem Foto, wo sie im Sonnenlicht stand), nur teilweise glänzend, ansonsten auch kristallin-matt und dadurch lebhaft. Eine gut in der Hand liegende Winterform mit leicht geschwungenem Rand, der sich nach oben etwas schließt und so das Teearoma einfangen kann. Angenehm leicht. Heller Steinzeug-Scherben und ein flacher Standring, den die Töpferin am Rand noch transparent glasiert hat.
Nach meiner Einschätzung wird der Matcha großartig darin aussehen und duften; ich bin schon sehr gespannt.

Die Schale stammt aus dem Zen-Zentrum DAIHIZAN FUMONIJ, Eisenbuch 7, Erlbach, wo die Töpferin auch das Essgeschirr gestaltet hat.


Nach dem Alphabet folgt Philippe Godderidge, ein französischer Keramiker, der zwar, wie aus dem Link ersichtlich, auch Pötte macht bzw. gemacht hat, schwerpunktmäßig aktuell aber mit vielen anderen Dingen beschäftigt ist. Das tut der Schönheit des kleinen Potts aber keinen Abbruch:

8,3 cm (an der höchsten Stelle) x 10,5 cm klein, also ähnlich klein wie meine beiden japanischen Raku-Schalen. Und damit sind die Ähnlichkeiten noch nicht erschöpft: Auch diese Schale scheint relativ niedrig im Raku-Stil gebrannt, heiß aus dem Ofen genommen (man erkennt deutlich die Narbe der Zange auf dem Bild) und dann aber nicht, wie hier sonst üblich, in Sägespänen, Papier, Laub oder was auch immer nachbehandelt worden zu sein. Der Scherben ist deshalb weitgehend rot-hell geblieben.

Er ist typisch offenporig, riecht aber nicht nach Rauch, dafür sehr intensiv nach Stein bzw. Lehm. Das war bei der roten Raku-Schale auch so, allerdings längst nicht so intensiv. Ich werde ihr diesen Geruch schon noch austreiben 😉


Die dritte Teeschale stammt von Peter Klube, laut Link einem Keramiker mit längerer Auslandserfahrung in Asien. Das sieht man dieser Chawan an:

8,5 cm x 12,5 cm, für mich sozusagen Idealmaße. Wenn ich es nicht besser wüßte, hätte ich sie für das Werk eines Japaners gehalten. Ich habe schon lange nach einer recht klassischen, bezahlbaren Shino-Schale gesucht aber nie gefunden. Hier ist sie nun, rotes shino, wilder, cremefarben-heller Scherben mit Verfärbungen.

Die Glasur vielfach auf diese typische Art zusammengezogen (ja, es wird wirklich Orangenhaut genannt…).


Von Reimar Krüger habe ich bereits eine Teedose. Aber diese ist wieder ganz anders:

Ein Porzellan-Scherben, also richtig weiß. Eigentlich vom Grundsatz her nicht mein Interessenschwerpunkt, weil es in der Regel kühl, sachlich, hart wirkt. Das kann aber andere, neue Gestaltungsmöglichkeiten bieten, die mir dann wiederum sehr gut gefallen. Hier wird das Gefäß z.B. mit einer sehr dezenten Oberflächengestaltung im Hidasuki-Stil vollendet. Je nach Ausführung der Technik können etwa die typischen rot-orangen Feuerspuren erzielt werden, die häufig auch sehr breit-grobflächig auftreten. Hier hat es der Töpfer jedoch geschafft, ein spinnenwebenzartes, dezentes, grünliches Netzmuster auf die weiße Oberfläche zu zaubern.
Die Technik selbst ist mir nur theoretisch bekannt: Reisstroh, Stroh oder Heu, ggf. salzgetränkt, wird aufgebracht, mitunter verknotet, und mitgebrannt. Um andere Verfärbungen zu vermeiden, kann der Brand als Kapselbrand erfolgen oder der Töpfer wählt eine Stelle im Ofen, die erfahrungsgemäß wenig oder keinen Ascheanflug verspricht. Die hier erzielte Farbe muss wohl mit der Ofenatmosphäre (oxidierend / reduzierend) zusammenhängen.

Ich weiß nicht, ob es ein Geheimnis ist – wenn nicht, mag Herr Krüger ja vielleicht mal diese Ausführungen ergänzen bzw. korrigieren?

Dazu ein sehr gut passender, holzgedrechselter Deckel, dessen Schwarz (statt, wie sonst auch üblich, elfenbeinweiß) sehr schön kontrastiert.
Insgesamt ziemlich schwer, was auch noch durch die Glasur im Innern verstärkt wird. Da kann man geteilter Meinung sein, ob das nötig / sinnvoll ist. Der Töpfer hat mir auf Befragen erklärt, dass er es vor allem aus hygienischen Gründen macht. (Bei japanischen Dosen ist – auch deshalb – häufig der Deckel innen mit Blattgold bedeckt.) Ich persönlich finde es nicht nötig, zumal, wenn (wie bei meiner anderen Dose) die Glasur innen durch Ascheanflug ohnehin wieder aufgerauht wird. Aber ein höheres Gewicht führt ja irgendwie auch zu einer höheren Standfestigkeit 😉
Jedenfalls insgesamt sehr schön!

Nachtrag:
Herr Krüger hat mir per E-Mail darauf geantwortet (das geht auch, aber die Kommentarfunktion hier ist doch komfortabler;). Die Angaben stimmen soweit und können noch wie folgt erweitert werden: „…ergänzend lässt sich sagen, dass der Deckel der Teedose aus Ebenholz ist und dass die spinnwebenartige Struktur von einer Umhüllung mit Seegras stammt. Darin enthalten ist Meersalz, deshalb ist es glasig ausgeschmolzen. Die Farbe entstand aus den im Seegras enthaltenen Mineralien. Insgesamt ist diese Gestaltungsvariante ein bisschen Glücksache, manchmal wird es schön- manchmal brennt alles weg, ohne eine Spur zu hinterlassen. Am Besten wird es auf Porzellan…“


Das nächste gute Stück hat Hervé Rousseau getöpfert:

9 cm x 12,5 cm, ebenfalls Standardgröße, sozusagen. Eine ganz tolle Schale, die von Scherben und Oberfläche her an japanisches Bizen erinnert. Passend zum Herbst mit einer Blattstruktur gemustert, außerdem sehr zurückhaltende hidasuki-Spuren, vor allem Innen. Sehr zurückhaltend, vor allem wenn man dem Link beim Töpfernamen folgt und dort die größeren, expressiven Stücke vergleicht.
Für eine Teeschale genau das richtige, wie ich finde. Meine Frau wird allerdings fluchen, denn die Oberfläche ist so rauh, dass damit die Geschirrhandtücher sehr schnell ‚zerfleddern‘.


Last not least eine ziemlich monumentale Teeschale von Jean-Pierre Viot:

Über 11 cm hoch und 13,5 cm breit, durch die zylindrische Form und die ausdrucksstarke Gestaltung wirkt sie noch ‚gigantischer‘. Dabei liegt sie mir (ich habe, zugegeben, ziemlich große Flossen) wirklich gut in der Hand. Zwar Raku, aber nur geringfügig leichter als das vergleichbare museale Stück von Christoph Zange. Diese bietet schöne Herbstfarben und eine zaunartige Oberflächengestaltung. Der Fuß (Standring) ist allerdings für ein Stück dieser Art zu zart (schwach) geraten. Das ist vielleicht das Gewicht, dass Herr Viot einsparen konnte 😉
Wenn ich es richtig verstanden habe, töpfert er jetzt auch (oder in erster Linie) andere Dinge. Ein interessanter Film dazu ist hier zu sehen. Nur auf französisch (ich habe vom Text höchtens 10 % verstanden…), aber die Bilder sprechen ja auch für sich; offenbar arbeitet er gemeinsam mit seiner japanischen Ehefrau in einem (sehr schönen) Haus mit getrennten Studios.


Sozusagen als Postscriptum eine Scherbe:

Eine Fundsache, die mir ebenfalls zum Geburtstag geschenkt wurde. Wie bei meinen alten Stücken komme ich auch hier ins Grübeln: Was war das wohl mal für ein Gefäß? Ich meine, Drehrillen erkennen zu können. Und es muss ziemlich groß gewesen sein, wenn ich den Radius der Scherbe gedanklich ergänze. Vielleicht ein Vorratsgefäß? Und von wann?
Jetzt liegt es bei mir auf der Fensterbank und erinnert mich an die Vergänglichkeit allen Seins…

6 Gedanken zu “neuer Pott: Karin Bartelt, Philippe Godderidge, Peter Klube, Reimar Krüger, Hervé Rousseau, Jean-Pierre Viot

  1. Hallo,

    ich habe mir heute meine erste Raku Teeschale gegönnt. Bei der 2. Tasse viel mir schon der starke Geruch nach Stein bzw Sand auf. Ich konnte kaum noch den Duft des Tees wahrnehmen. Ich empfinde das als sehr störend.
    Es wurde hier etwas über das Austreiben geschrieben. Ich wäre sehr dankbar für jegliche Hinweise, denn ich würde die Schale nur ungern ausschließlich als Deko benutzen.

    • Hallo André,

      ein interessantes Thema, das sogar einen Artikel lohnen würde.
      Kurz gesagt versuche ich, wenn es erträglich ist, den Eigengeruch oder sogar -geschmack durch Benutzen auszutreiben. Rakuschalen haben oft ein Raucharoma, das mich an Herbstfeuer erinnert und mich, je nach Intensität, sogar reizt. Es gibt ja auch Rauchtees 😉
      Wenn es gar nicht geht (hatte ich auch schon, Marke Aalrauch oder Steinbruch), dann simuliere ich das Eintrinken, in dem ich die Schale über Nacht mit Grüntee gefüllt stehen lasse, morgens leere und reinige und das ggf. so oft wiederhole, bis es gut ist. Dichtet übrigens auch die Poren oder kleine Risse ab.

      Was mir nicht gefällt (aber z.B. für Yixing- oder Tokoname-Kännchen immer wieder empfohlen wird): Das Gefäß mit dem (für sie bestimmten) Tee in einem Topf vollständig versenken und ggf. sogar kochen. Meiner persönlichen Meinung nach altert das Gefäß dadurch optisch künstlich, weil es sich auch von außen mit Tee vollsaugt. Das geschieht durch Benutzen, Reinigen, Abtrocknen, Polieren ohnehin, aber langfristiger und dadurch behutsamer, und man sieht das. Ich habe auch einmal den Fehler gemacht, eine Schale mit hellem Scherben mit dunklem Tee einzutrinken. Hat ein reizvolles Kraquelee hinterlassen, das aber im Nachhinein auch künstlich, gewollt wirkt.

      Man kann eine Schale unter Umständen auch, mit reinem Wasser gefüllt, als Luftbefeuchter benutzen, aber das dauert länger, verbreitet den Geruch im ganzen Raum / Haus und kann Kalkablagerungen hinterlassen. Und dichtet nicht ab. Also auch nur eine ganz bedingte Empfehlung.

      Also, nochmal kurz: Eintrinken oder Eintrinken simulieren. Abwarten und Teetrinken, sozusagen 😉
      Ist übrigens beim Einrauchen von Pfeifen ganz ähnlich.

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