Buchtipp: „Holzbrand – Geheimnisse japanischer Meister“ von Masakazu Kusakabe und Marc Lanet

Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Buch für mich eine ähnliche Bedeutung erlangen kann wie „Erde und Feuer“.
Gestern auf dem Töpfermarkt Oldenburg gekauft, bin ich heute schon nachhaltig beeindruckt.

Das Buch ist auch ‚ganz normal‘ über Amazon erhältlich (erschreckend, wie schnell dieser Vertriebsweg schon zur Normalität geworden ist).

Geschrieben ist es in erster Linie für (und von) Holzbrandkeramiker(n). Aber auch ich als Interessierter / Sammler finde es großartig.

Es beginnt mit dem „Reiz holzgebrannter Keramik“ und beschreibt in diesem Zusammenhang zunächst anschaulich die fernöstliche Ästhetik. Ich habe hierzu auf der alten Homepage ja bereits einige Gedanken zusammengetragen.
Dazu möchte ich hier nun auzugsweise (S. 15/16, 22 des Buches) zitieren und ergänzen:

Wie erklärt man Schönheit? Schönheit weitet unser Gemüt. Der Blick von einer Gebirgskette in der Morgendämmerung (…), das Fühlen eines wohlgeformten Gefäßes (…) – der Anblick solcher natürlicher und künstlicher Schönheit berührt uns, und verändert fühlen wir uns für einen Moment im Einklang mit der Welt. Ob wir uns in vertrauter Umgebung befinden oder in unbekannten Gefilden: Schönheit offenbart sich uns. (…) Fernöstliche Schönheit wurde über Jahrhunderte hinweg durch die Einheit philosophischer, ästhetischer, kultureller und spiritueller Grundsätze geformt. Und doch übt sie auf Menschen aus dem Westen ihren Reiz aus. Viele sind für diese Schönheit zugänglich, und genau sie steht im Mittelpunkt von holzgebrannter Keramik. Das Ungewohnte und die Inspiration von Schönheit wirken wohltuend auf uns. (…)
„Dieses ästhetische Ideal (Sabi) umfasst nicht nur eine einfache Schönheit, es muss eine Schönheit sein, die in sich das Wabi-Gefühl enthält – eine dunkle, gedämpfte, aber auch fruchtbare Schönheit, die Schönheit der Reife. Sabi ist gekennzeichnet durch die Abwesenheit offensichtlicher Schönheit, durch die Schönheit des Farblosen im Gegensatz zum Blendenden, durch die Schönheit des Vergänglichen im Gegensatz zum Überschwänglich Aktiven, durch die Schönheit des zur Neige gehenden, aber weisen, hohen Alters im Gegensatz zur Schönheit einer energischen, aber unreifen Jugendlichkeit. So trägt das Sabi-Konzept nicht nur die Bedeutung ‚alt‘ im Sinne von ‚reif an Erfahrung und Einsicht‘, und von ‚erfüllt von der Patina, die alten Dingen ihre Schönheit verleiht‘ – sondern auch die Bedeutung von Ruhe, Alleinsein, tiefer Einsamkeit'“ (Horst Hammitzsch: ‚Zen in der Kunst der Teezeremonie‘) (…)
In der Hand gehaltene oder einfach betrachtete Holzbrandkeramiken vermitteln ein Gefühl von der natürlichen Welt. Bewunderer von holzgebrannter Keramikkunst berufen sich auf diese Eigenschaft am häufigsten. Was geschätzt wird, ist weniger die natürliche Wirkung des Objektes, sondern eher die Möglichkeit, sich beim Betrachten solcher Stücke der Natur nahe fühlen zu können. Wie uns ein ruhiger Moment in einer natürlichen Umgebung einen inneren, stärkenden Frieden bringt, so sind holzgebrannte Keramiken mit einer Schönheit erfüllt, die ein Bewußtsein von natürlicher Schönheit erweckt, das immer in uns ist.
Ob man sich der Holzbrandkeramik von westlicher oder östlicher Ästhetik her nähert, immer belohnt sie die Würdigung. Am wichtigsten ist eine Herangehensweise ohne Vorbehalte. Wer ein holzgebranntes Werk in seiner Wohnung hat, der wird unweigerlich von ihm gefesselt; die Zeit steht still beim Versinken in echter Betrachtung. In solchen Momenten ist es der Betrachter, der von der faszinierenden und doch schwer fassbaren Schönheit des Holzbrandes profitiert. Dann ist Schönheit nicht mehr unerreichbar, sondern sie ist bei der Hand.

Dem ist wenig hinzuzufügen. Einiges schon, aber ich möchte ja noch ‚Platz‘ für etwaige Nutzer der Kommentarfunktion lassen 😉

Nach dieser Einleitung werden im Buch die unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten, die der Holzofen auf den Stücken hinterlassen kann, dargestellt.
Ich schreibe extra nicht „Effekte“ (im Buch heißt es „Yohen: Holzbrandeffekte“). Das ist so ein Thema, über welches man beim Buch diskutieren kann. Die Schönheit es Unabsichtlichen… Auch insoweit sind der Kommentarfunktion keine Grenzen gesetzt…
Jedenfalls ist die Darstellung sehr umfassend. Man kann ja auch im Netz inzwischen viel zu diesem Thema finden, etwa bei Robert Yellins e-yakimono.net. Das Buch bietet aber weit ausführlichere Beschreibungen und mengenweise Bebilderungen, um z.B. eigene Stücke einordnen / vergleichen zu können.

Im weiteren Verlauf des Buches werden drei Ofenformen von der Planung über Bau, Einsetzen, Befeuerung und Ausräumen beschrieben. Und zwar so ausführlich, dass der Interessierte sich ein umfassendes Bild von der Entstehung seines Stückes machen kann und der (angehende) Töpfer die Möglichkeit erhält, konkret loszulegen. Abmessungen, Materialbedarf, alles ist ausführlich geschildert und aufgelistet, so dass man Lust bekommt, selbst einmal wenigstens dabei zu sein.
Selbst Aspekte wie „Erste Hilfe“ und „Umgang mit Behörden“ sind im Anhang ausgeführt.

Das Buch kostet knapp 20,00 €, die nach meiner Meinung hervorragend investiert sind.

2 Gedanken zu “Buchtipp: „Holzbrand – Geheimnisse japanischer Meister“ von Masakazu Kusakabe und Marc Lanet

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