Neue Pötte und Reisebericht zu Markus Böhm

Es hat viele neue Keramiken gegeben; sämtlich von Markus Böhm.

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Chawan, Winterform, 9,5 x 10,5 x 10 cm (h/b). Schon etwas älter, lässt er sich dank der Angaben des Künstlers datieren auf die Zeit nach 2004. 

Er stammt nämlich nicht aus dem eigenen Werkstatt-Ofen, sondern aus dem Brand des Projekts „Anagama-Adé“, das z.B. im Buch „Holzbrandkeramik in Mecklenburg-Vorpommern: Aktionen, Technik und Akteure“ dokumentiert ist.
Ein sehr zurückhaltendes Stück, das mich mit seinen Rot-Braun-Verfärbungen an Bizen-Keramik erinnert. Recht leicht, gut in der (meiner) Hand liegend. Markante unregelmäßige Drehrillen innen, im Boden innen Muschelabdrücke als Brandstützen, da er offenbar ‚umgekehrt‘ gebrannt wurde.

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Ungewöhnlich für eine Teeschale ist der Fuß gänzlich ohne Standring und nur mit dem itokiri-Muster durch das Abtrennen. Eine Gestaltung, die man sonst eher bei Teedosen findet.  Einige Steinausblühungen, ein dezent eingezogener, schmaler Rand, der zum Tee-Trinken förmlich einlädt. Ich finde, dass ich mit diesem Stück richtig Glück gehabt habe. Das ist natürlich Geschmackssache: Was dem einen gefällt, muss der andere noch lange nicht gut finden. Trotzdem wundere ich mich manchmal, dass ich solche großartigen Stücke noch entdecke, auch wenn sie schon länger in Ausstellungen stehen.

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Chawan „Kirschblüten“, kleine Ido-Form, 7 x 12,8 x 11,8 cm. Zum Alter dieses und der folgenden Stücke kann ich keine konkreten Angaben machen (2013 oder älter). Der Standring ist (sozusagen koreanisch orientiert) eingekerbt. Eigentlich für mich einen Tick zu klein, aber eine so hübsche Schale, ohne dabei *zu* aufdringlich zu sein!

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Trotz der üppigen Soda – Shino – Asche – Glasur erstaunlich leicht. Auch ‚über Kopf‘ gebrannt, schätze ich, wenn ich den makellosen Standring und die (dezenten) Brandstützen-Spuren innen sehe.

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Blumenvase (hanaire) mit Schnurabdruckmuster (jomon), 20,5 x 17,5 cm groß. Das ist genau die besagte Vase, die mir beim letzten Töpfermarkt noch sozusagen durch die Lappen gegangen ist. Ein ausdrucksstarkes Stück, dessen Holzasche-Glasur im oberen Bereich durchaus auch eine üppige Anflugglasur hätte sein können. Ulla meint ja nach wie vor, dass es dafür keine geeigneten Blumen gäbe – aber die Öffnung entspricht in etwa meinen Mizusashi, die sie sich gerne mal für Blumen ausleihen würde…

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Blumenvase in zylindrischer Form mit Stempelabdruckmustern unter der Glasur, 22,5 x 10 cm groß.
Diese Form soll besonders gut für Blumen geeignet sein, sagen die Fachfrauen und -Männer. Wir werden sehen…

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Sakebecher, 5 x 6,3 cm klein, Temmoku- und Gräserascheglasur, die mich an eine Chosen-Karatsu-Glasur erinnert. Ebenfalls mit eingekerbtem Standring, unten unglasiert mit intensiven Rotverfärbungen.
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Innen hell – gefällt mir persönlich zum Sake-Trinken inzwischen besser.

Außerdem haben wir noch zwei Teebecher (oder Weinbecher) mit Stempelabdruckmuster gefunden, ca. 8 x 7,5 cm,
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sowie eine große Schale in ochsenblutrot, 10,8 x 30,5 cm groß.
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Normalerweise kaufen wir nicht so viel auf einmal. Konkreter Anlass war hier nicht Weihnachten oder Geburtstag, sondern ein Kurzurlaub zum Keramiker persönlich.
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Ausstellung und Wohnhaus sind sehr malerisch und ruhig gelegen. Ende der Ausbaustrecke, im wahrsten Sinne des Wortes. Besucher klingeln am Eingang und sind dann mit dem Künstler direkt verbunden, der z.B. auf dem weitläufigen Grundstück gerade in der Werkstatt sein kann.
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Eine kleine Wartezeit ist aber ohne weiteres zu verschmerzen, denn auch im Außenbereich gibt es schon jede Menge Keramik im Garten zu sehen.
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Dieser trägt deutlich die Handschrift der Ehefrau und Künstlerin Ute Böhm, deren Spezialität unter anderem Kristallglasuren sind.
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Besucher können im alten, aber liebevoll restaurierten Gästehaus, das unmittelbar an Werkstatt und Ofen angrenzt, übernachten.
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Bei unserem Besuch wurde zufälligerweise auch gerade der Ofen gebrannt; für mich natürlich ein besonderes Erlebnis.
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Holz war genug vorhanden 😉
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und wird programmgemäß verfeuert, auch wenn Besucher in der Ausstellung sind – die müssen dann ein wenig Geduld haben.
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Dafür werden sie aber auch mit sehr schönen Stücken belohnt!
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