Neue Pötte: Chawan Reimar Krüger, Horst Kerstan, Raku-Mizusashi, Vase Bizen

Nachdem der Paketdienst kam, konnte ich mich ja nicht zusammenreißen und hatte schon mal ein kleines Preview veröffentlicht – nun aber richtig!

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Schon auf dem Oldenburger Töpfermarkt entdeckt und erworben, musste ich bloß noch bis zu meinem Geburtstag warten. Nun ist sie da, handliche 8 x 12 cm (ca.) groß. Vom Künstler Reimar Krüger, www.anagamakrueger.com, habe ich ja schon einige schöne Stücke. Trotzdem finde ich jedes Mal wieder etwas, und das liegt nicht zuletzt an der kontinuierlichen Entwicklung des Töpfers. Seine Teedosen beispielsweise sind sehr ausdrucksstark, inzwischen aber auch schön filigran. Auch bei den Chawan ist, wie ich finde, immer Neues zu entdecken. Dieses Stück liegt sehr gut in der Hand und hat eine hervorragende ‚Lippe‘ zum Trinken. Der Standring ist selbstbewusst und schwungvoll abgedreht. Neben dem Töpferstempel ist ein weiterer Stempel eingedrückt, der direkt von der letzten Reise des Töpfers nach Japan kommt, dessen Bedeutung mir aber gerade entfallen ist. Wer dazu etwas kommentieren möchte (der Stempel links-vorne, auf dem anderen steht „RK“) ist herzlich eingeladen:
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Der Pott ist mir erst auf den zweiten Blick aufgefallen, da er zunächst recht unauffällig im Sinne von unaufdringlich wirkt. Kein spektakulärer Ascheanflug mit wilden Glasurflüssen, nur warme, dezente Farbspiele aus dem Feuer auf sandfarbenem Grund. Erst beim näheren Hinsehen und Fühlen erschließen sich die schönen, dezenten Details. Shibui quasi.
Das Gewicht der Schale ist eher hoch, ein Stück mit solidem Schwerpunkt, das einer Frau vielleicht noch zu schwer erscheinen könnte. Mir kommt es gerade recht 🙂 Auf dieses Merkmal angesprochen erklärte Reimar Krüger, dass ihm die Detailfrage durchaus bewusst ist und er auch mit alternativen Tonen experimentiert. Eine Gratwanderung unter anderem zwischen Gewicht und Standfestigkeit im heißen Holzfeuer. Es ist, wie gesagt, eine (erfolgreiche) Entwicklung feststellbar, die nicht von ungefähr kommt – der Töpfer geht mit großer Ernsthaftigkeit, aber auch Wissbegierde und Offenheit, zur Sache.


Nun kommen die Stücke aus dem Preview und dem besagten Paket:

Als erstes eine weitere Teeschale und damit gleich die Gelegenheit zu interessanten Vergleichen.
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Von Horst Kerstan stammend, sozusagen dem (west-)deutschen Altmeister der Holzbrand-Keramik im japanischen Stil, ebenfalls handlich (8,5 x 12 cm).

Ein gefühlter und auch optischer enormer Größenunterschied zu meinem Großen (grauen) Büffel, obwohl aus der gleichen Schaffensperiode des (leider zu früh verstorbenen) Künstlers, nämlich 1988 bzw. 1989. Zeitlich zuordnen lassen sich diese Stücke von Kerstan gut, denn seine individuellen Einzelstücke wurden vollständig datiert und signiert:
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Beide Holzbrand-Chawan Kerstans sind (gerade bei der wirklich großen Schale) vergleichsweise leicht und haben einen fast glasharten Klang. Ich mache mir einmal den Spaß und stelle sie auf eine Küchenwaage (also ca.-Werte 😉 ):
Reimar Krüger: 480 g
Kerstan „Großer Büffel“: 420 g
Kerstan „neu“ 1988: 400 g, wirkt aber aufgrund der kleineren Größe „gewichtiger“ als der große Bruder

Den Vogel schießt in dieser Disziplin (im übertragenden Sinne) Markus Böhm ab mit diesem – nicht einmal kleinen – Stück mit zarten 340 g – das ist wohl die Schule von Mario Enke. Wohlgemerkt ebenfalls Holzbrandkeramik; es würde hier keinen Sinn ergeben, technisch bedingt leichtere Raku- oder etwa auch Hagi-Stücke in den Vergleich einzubeziehen.
Was will uns das jetzt sagen? Es gibt leichtere und schwerere Stücke 😉 Die ‚Standards‘ gehen wohl eher in Richtung „leichter = besser“. Ich persönlich finde, dass das Gewicht zum jeweiligen Stück passen muss. Ich kann einen Becher hochheben und denken „Oh, der ist ja schön leicht“. Dann ist er leichter, als ich nach dem Aussehen erwartet hätte, aber noch nicht zu leicht. Das hingegen kann (jedenfalls bei mir) nämlich auch passieren – dieses Gefühl, das Stück wirkt dadurch empfindlich / zerbrechlich, hat einfach keinen guten Stand.

Um zu dieser Teeschale zurückzukehren: Sie ist nach meinem Gefühl genau richtig. Ein Eindruck, der durch die schnörkellose Form noch unterstützt wird und die wie eine Leinwand für die wundervollen Farbspiele durch das Feuer wirkt. Auch bei diesem Stück gilt, dass es sich erst im Laufe der Zeit erschließt. Die Form ist zwar schlicht, aber alles andere als langweilig. Mit dem (mit Sicherheit absichtlich) dezent geschwungenen Rand und dem männlich-kantigen Standring wirkt sie markant und hat einen enormen Wiedererkennungswert. Ich bilde mir ein, eine Teeschale von Kerstan auch ohne die auffällige Signatur sofort erkennen zu können. Nicht auf Grund meiner Erfahrung, sondern wegen der ganz eigenen Machart. Ein tolles Stück, das auch erkennen lässt, mit wie viel Sachverstand der Sammler, aus dessen Nachlass ich das Stück erwerben konnte, es ausgewählt hat.


Beim folgenden Stück wird es geheimnisvoll bis vage:
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Ziemlich eindeutig ein Mizusashi, also ein Kaltwasserbehälter für die japanische Teezeremonie, ca. 14 x 18 cm groß (hoch/breit). Nach einem kleinen Foto aus dem Verkaufsangebot hatte ich etwas aus dem Holzofenbrand erwartet. Tatsächlich ist es aber Raku (im westlichen Stil), glasiert sind jedoch nur Deckel und Gefäßinneres:
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Außen unglasiert, aber auch nicht schwarz-oxidiert, sondern braun-rötlich geblieben, also (jedenfalls außen) nicht der sonst hierzulande üblichen Laub- oder Sägespäne-Behandlung unterzogen. Mit Wasser gefüllt, offenbart er gleichwohl seine Herkunft und riecht kräftig (aufdringlich) nach Ton und verbranntem Schinken. Da wäre erst einmal eine eingehende Tee-Behandlung erforderlich, bevor man ihn bestimmungsgemäß benutzen könnte.
M.E. durchaus hergestellt von einem Profi, der wusste, was er tat. Das Töpferzeichen auf dem Boden ist mir aber unbekannt. Vielleicht ein „H“? Falls jemand dazu etwas beitragen kann: Bitte kommentieren!
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Und dann noch eine positive Überraschung, eine ziemlich große, gewichtige Vase im japanischen Bizen-Stil, ca. 30 cm hoch, ca. 12 cm Schulterbreite.131027_vase_bizen_kliebhan_aussen
Recht klassische Form, tolle Oberfläche – wirklich viel Ausstrahlung, ohne Blumen darin zu ‚übertönen‘.

Auch hier ist zwar eine Töpfermarke vorhanden, die ich aber nicht kenne. Womöglich könnte es japanisch sein. Falls mir jemand helfen kann – bitte kommentieren oder eine E-Mail senden!

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4 Gedanken zu “Neue Pötte: Chawan Reimar Krüger, Horst Kerstan, Raku-Mizusashi, Vase Bizen

  1. Sieht toll aus!
    Ich habe auch gerade meiner erste RAKU Schale bekommen.
    Sie riecht auch recht stark nach Rauch.
    Was meinstest du denn mit Tee behandlung? Wie bekommt man den eigengeruch am besten reduziert. Hast du da Tipps?

    • Moin Fabian! Meinen Mizusashi-Pott spüle ich einfach mehrmals mit Tee aus und lasse ihn dazwischen immer wieder durchtrocknen. Der Tee treibt den Geruch hinaus und dichtet die Poren des Scherbens ab.
      Raku-Schalen riechen anfangs oft nach Rauch. Das gibt sich schon mit dem Gebrauch (also der Teezubereitung und dem damit verbundenen Reinigen / Spülen etc.) mehr oder weniger schnell. Du musst für dich entscheiden, ob der der Tee so schmeckt oder du (mitunter öfters) den Tee einige Zeit darin stehen lässt und dann weggießt. Für chinesisches Yxing-Geschirr gibt es die Empfehlung, sie vor dem ersten Gebrauch mit dem Tee ‚auszukochen‘. Mit Raku würde ich das (so heiß und so lange) aber nicht machen. Manchmal mag ich den Geruch auch; er erinnert so an Herbst 🙂

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