Buchtipp: „Der Geschmack von Wasser“ von Emmi Itäranta

Ein Roman aus dem dtv-Verlag, Reihe Hauser, so sieht er aus:

141206_buch_geschmack_von_wasser

Dem obigen Link folgend erfährt man (leider?) schon eine ganze Menge über den Inhalt des Buches, von daher sollte sich jeder überlegen, ob er Spoiler mag oder nicht. Besser ist es wohl, erst nach dem Lesen danach zu suchen und auch den Klappentext mit Missachtung zu strafen.

Ich werde mich deshalb auf das Allernötigste beschränken: Die Handlung hat viel mit der (japanischen) Teezeremonie zu tun (daher hier die Berücksichtigung als Buchtipp) und kontrastiert vom Thema her ungewöhnlicherweise mit einer durchaus beklemmenden Dystopie, in deren Welt es um Umweltzerstörung im Allgemeinen sowie Wasserknappheit im Besonderen und Unterdrückung der menschlichen Gesellschaft geht.

Trotzdem ist das Buch nicht nur düster, sondern hat auch seine geradezu poetischen Seiten. Wobei einem die Poesie durchaus ‚im Halse stecken bleiben‘ kann. Das Buchcover wird beispielsweise durch einen kalligraphisch anmutenden blau getuschten Kreis geziert, ein Motiv, das ja nicht zuletzt in der fernöstlichen Philosophie für Ewigkeit stehen kann, auch für das Göttliche, Vollkommene. Den einzelnen Teilen des Buches sind weiterhin jeweils mit zen-meditativ-anmutenden Sinnsprüchen eines „Wei Wulong“ >>Der Pfad des Tees<<, eingeleitet, ein Quasi-Zitat (ich wüsste nicht, dass es dieses Werk tatsächlich gäbe, lasse mich aber gern aufklären) davon lautet:

Ein Kreis kennt nur seine eigene Form.
Fragt man ihn nach seinem Anfang und seinem Ende,
schweigt er und bleibt unverändert.

Wunderschön. Aber was es mit diesem blauen Kreis im Roman auf sich hat und was der darauf folgende Buchteil mit Anfang und Ende, mit Schweigen und (Un-) Veränderlichkeit zu tun hat, ist schon ein starkes Kontrastprogramm zu weltvergessener Poesie.

Das Buch ist nicht lang, bildet aber in sich ebenfalls einen geschlossenen Kreis -mehr braucht es nicht. Auch die deutsche Übersetzung zeigt m.E. schon, wie präzise die Autorin am Text gefeilt hat, damit die mitunter kargen Worte gleichwohl Bilder und Vorstellungen in der Vorstellungswelt des Lesers auszulösen vermögen. Nach dem Interview auf der o.g. Verlagsseite übrigens eine durchaus beabsichtigte Folge der Tatsache, dass der Text parallel in Englisch und Finnisch verfasst wurde.
Jedenfalls ein beeindruckendes Erstlingswerk, in dem mich nur (seltene) Cliffhanger wie „…Ich will es noch immer glauben…“ ein ganz klein wenig gestört haben. Dazu leise Erinnerungen an 1984, wenn es etwa um die Manipulation der Geschichte geht (ohne natürlich dessen Tiefe zu erreichen; ich will hier keine falschen Erwartungen wecken) oder sogar ein wenig Terry Pratchett, wenn der personifizierte Tod auftritt.

Erworben habe ich das Buch übrigens auf der diesjährigen Buchausstellung in der Gemeinde St. Marien Delmenhorst. Falls jemand noch nicht dort war – es lohnt sich immer. Neben dem erwarteten (guten) ‚kirchlichen‘ Programm ist unter anderem auch eine erlesene Auswahl von Krimiliteratur im Angebot, die sich übrigens auch in der KÖB der Gemeinde widerspiegelt. So, genug der Werbung 😉
 

 

 

 

– die hier ggf. folgende Werbung stammt nicht von mir –


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