neue Pötte: SiamTee Signature Ensemble (Shiboridashi, Yuzamashi, Teekännchen)

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Vom Christkind (via siam-tee.de) getöpfert im Jahr 2017,

5,8 x 12 cm (15,5 cm mit Griff)
6 x 11,5 cm (mit Deckel / Tülle)
6,5 x 14 cm (mit Deckel / Griff / Tülle)

Tatsächlich von einer Belgischen Keramikerin leicht und zart getöpfert. Ganz auf Funktion getrimmt, damit der Tee möglichst optimal schmeckt und das Zubereiten gut und leicht gelingt. Dazu musste nichts Neues erfunden werden, sondern (’nur einfach‘) traditionelle japanische und chinesische Errungenschaften mit lokalem Ton gekonnt umgesetzt werden. Erste Ergebnisse nach Weihnachten zeigen, dass dieser Ansatz nicht nur zu einer mir besonders gut gefallenden schlichten Optik geführt hat, sondern vor allem das Ziel, unterschiedlichen Tee möglichst gut zur Geltung zu bringen, gelungen ist.

Zunächst aber einige Worte zum Thema Begeisterung für Tee:

Schön, dass es wahre Enthusiasten gibt, die bemüht sind, dabei besonders hochwertige Waren zu finden und anzubieten. Akira Hojo von hojotea.com ist so jemand, dort habe ich meinen schönen Eisenkessel und auch großartige Tees gekauft. Haken dabei: Akira Hojo ist in Japan und Malaysia tätig. Das ist heutzutage kein KO-Kriterium mehr, dank Internet und Luftpost geht Kontaktaufnahme und Kaufabwicklung überraschend schnell, aber etwas Zeit ist schon nötig. Außerdem interessiert sich grundsätzlich der Zoll dafür. Und japanisch / englisch muss es laufen. Wäre doch toll, begeisterungsfähige Anbieter quasi vor Ort zu haben? Thomas Kasper von siam-tee.de entwickelt sich seit geraumer Zeit kontinuierlich in diese Richtung. Der Shop spricht für sich: Nicht einfach nur Werbung für Produkte, die man genauso oder so ähnlich auch anderswo bekäme, sondern exklusive Tees und alles was dazu gehört mit umfangreichen (bis erschöpfenden 😉 ) Informationen. Und woran erkennt man die Enthusiasten noch: Indem sie auf E-Mails sogar an Sonn- und Feiertagen antworten. Nicht übertreiben – bleibt bloß gesund, Leute!

Wer Thomas Kaspers Internetseite auf der Suche nach diesem Ensemble (und kleinen Teeschälchen) besucht, findet alle nötigen Informationen – kann ich mir also eigentlich sparen 😉 . Daher schreibe ich einfach nur meine ganz persönlichen Eindrücke und Vergleiche mit ähnlichen Stücken in meiner Sammlung dazu auf.

Ich besitze (natürlich) unterschiedliche Kyusu (japanische Teekännchen mit Seitengriff) in diversen Größen, Tonsorten und Preisklassen. Allen gemeinsam ist, dass sie schon recht benutzerfreundlich sind und ein ganz feinmaschiges Netz / Sieb o.ä. aufweisen, um die häufig feinen japanischen Tees zu filtern. Stört mich eigentlich nicht, mal Teeblatt mit in der Schale zu haben (Matcha ist letzten Endes nichts anderes).
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Trotzdem war ich gespannt, wie sich Thomas‘ Shiboridashi in dieser Hinsicht schlägt. Es gibt kein Sieb, sondern die Filterung soll einfach nur durch fünf markante Rillen im Tüllenbereich gewährleistet werden. Die Frage also – fließt der Tee einerseits so zügig ab, dass man die Ziehzeit genau bemessen und ggf. sehr kurz halten kann, und wird andererseits das Teeblatt halbwegs zuverlässig zurück gehalten? Ich habe es mit koreanischem Jeon Cha ausprobiert, der sowohl grobe als auch feine Teebestandteile enthält, und es funktioniert prima! Ein Griff erübrigt sich, da das Teewasser stets abgekühlt aufgegossen wird und man sich (an Standring und Deckel angefasst) deshalb nicht die Finger verbrennen kann. Dazu der Riesenvorteil gegenüber den ‚richtigen‘ Kännchen: absolut reinigungsfreundlich; im Kyusu bleiben oft irgendwie Blättchen hängen etc. Hier ausgeleert, heiß ausgespült – fertig! Fast bin ich geneigt zu sagen: nie wieder ein anderes Kännchen 😉
Ca. 120 ml Volumen, also nichts für die ganz große Teeparty, aber gut für edle Tees.

Dazu empfiehlt sich das Abkühlkännchen Yuzamashi. Kann man auch andere Gefäße nehmen, aber das gute Design spricht erneut für sich: Hohler (und daher kühler), vergleichsweise großer (und daher gut in der Hand liegender) Griff. Hier wird tatsächlich kochend-heißes Wasser zum Abkühlen eingefüllt, und da kommt es schon auf solche Merkmale an. Dazu die große Oberfläche des unglasierten Tons, die zu einer schnellen Abkühlung beiträgt (und durch den hohen Eisengehalt im Ton ggf. noch das Teewasser aufwerten kann). Ergebnis: auch eine gute Investition.

Schließlich das an chinesische Yixing-Keramik angelehnte Kännchen von mittlerer Größe (ca. 200 ml). Roch beim ersten Benutzen durch den rauh-unglasierten Ton mineralisch-steinig.

Der Geruch ist gewichen und hat schon nach dreimaliger Benutzung die malzig-süßliche Note der Yunnan-Tees, die ich als Probe bekommen und nachbestellt habe, angenommen. (Zum Tee später mehr). 20171202_150320.jpgDringende Empfehlung daher: möglichst eine konkrete Teerichtung für einzelne Kännchen reservieren (es sei denn, man mag Crossover-Experimente, kenne ich auch vom Pfeiferauchen). Was ich mir gespart habe: Es wird empfohlen, echte Yixing-Kännchen vorzubereiten, sozusagen ‚einzukochen‘. Muss ich nicht haben (soweit ich davon ausgehe, mich auf den Lieferanten verlassen zu können und keine Giftstoffe auswaschen zu müssen). Statt dessen genieße ich lieber die subtilen Veränderungen, die sich von Mal zu Mal und mit fortdauernder Benutzung ergeben. Ist bei Raku-Schalen übrigens dasselbe. Wenn ich befürchte, dass als Oxidationshilfe Zeitungspapier (Druckerschwärze!) oder Schlimmeres verwendet wurde, kaufe ich das Stück gar nicht erst oder wässere / erhitze es. Ansonsten freue ich mich über das rauchig-torfige Whisky-Aroma, so lange es anhält 😉

Apropos Raku: die Stücke sind wie gesagt rauh-sandig-offenporig, trotzdem teilweise extrem filigran und zart gedreht. Feuchtigkeit diffundiert anfangs noch durch den Scherben (‚Schwitzen‘). Dies wird sich erfahrungsgemäß durch den Tee im Laufe der Zeit abdichten. Schön, es beobachten zu können. Ein Manko liegt darin nicht und die ‚tragenden Teile‘ sind so solide, dass man keine Angst vor dem (natürlich bewussten) Benutzen haben muss. Die Tülle beim Kännchen ist allerdings sehr zart. Dadurch absolut tropffrei, aber vor einem Anecken sollte man sich besser hüten.

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Ich freue mich schon auf das weitere Teezubereiten und regelmäßige Experimentieren und bin gespannt, wie die Stücke auch optisch altern (reifen) und an Schönheit gewinnen. Das ist ein Prozess, dem hier im Westen (man schaue sich nur einmal unsere teilweise kranken ‚Schönheitsideale‘ in der Werbung an) viel zu wenig Bedeutung beigemessen wird. In der traditionellen japanischen Ästhetik ist das (bekanntlich?) anders.
So, mein rostiger Eisenkessel singt. Zeit für den nächsten Aufguss, ihr entschuldigt mich 😉

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…die hier ggf. folgende Werbung stammt nicht von mir…

Ein Gedanke zu “neue Pötte: SiamTee Signature Ensemble (Shiboridashi, Yuzamashi, Teekännchen)

  1. Pingback: Tee des Tages: Wild Artisan Lapsang Souchong | Teeschale

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