Teeschale, Teebecher, Teller; Besuch bei Dirk Aleksic

In Berlin lebt und töpfert Dirk Aleksic. Ich hatte schon im letzten Jahr versucht, Stücke von ihm ‚live‘ zu sehen; das hatte aber noch nicht geklappt. Im matchashop.de in Berlin gibt es immer wieder Teeschalen von ihm, die aber offenbar ziemlich schnell vergriffen sind. Er stellt auch Geschirr in Serie für verschiedene Berliner Restaurants her – bei der Halbpension in meiner Jugendherberge komme ich aber nicht so ohne weiteres dazu 😉 Deshalb habe ich mich diesmal direkt mit ihm verabredet und konnte ihn freundlicherweise morgens direkt in seiner Werkstatt besuchen und einen matcha genießen.

Ich möchte hier jetzt nicht alle Informationen seiner website wiederholen, die mich so neugierig auf seine Keramik und ihn selbst gemacht haben; einfach dort einmal nachlesen. Aber jemand, den es aus Niedersachsen (Friesoyte / Lohne) jahrelang als Mönch in ein Buddhistisches Kloster in Japan verschlägt, der dann zurück nach Berlin kommt und als Autodidakt Keramik im Sinne der japanischen Ästhetik herstellt, die einfach „nichts Besonderes“ sein soll – das muss ich gesehen und erlebt haben. Es erinnert sehr an Soetsu Yanagis mingei-Bewegung, an andere gesuchte ‚Laien‘-Keramiker wie Rosajin und Daikichi oder auch Hosokawa.

Ein Blick in die Werkstatt und die Regale zeigt bereits, worum es dem Töpfer geht. Gebrauchskeramik im besten Sinne, so schlicht, dass Speisen und Getränke bestens zur Geltung kommen, funktional aber nicht beliebig-langweilig, unbunt aber trotzdem abwechslungsreich durch unterschiedlich dunkle und verschieden grob schamottierte Tone sowie unterschiedliche Gasuren von ziemlich weiß bis ziemlich schwarz und alles was dazwischen liegt, mal glänzend und mal matt. Die Grenze zwischen bewusstem und unbewusstem Gestalten, Werden-Lassen, Zulassen, wird in allen Keramiken, aber auch in Gemälden des Künstlers deutlich.

Dieser Teller (ca. 23 cm Durchmesser) ist – wie alle – ‚unrund‘ und erklärt, weshalb Restaurants und food-blogs regelmäßige Kunden und Besucher sind.

Recht großer Teebecher (Yunomi), ca. 10 x 9 cm, etwas aus dem Lot, am Rand subtil nach innen gezogen (kaum sicht- aber spürbar), ohne Standring, aber mit leicht abgeschrägter Unterkante, Kohiki-artig (durchaus nicht shino-ähnlich), matt-durchscheinend , aber nicht rauh glasiert. Extrem benutzerfreundlich und derartig „nicht besonders“, dass zufällige Besonderheiten bezaubernd wirken und zum Nachsinnen einladen. Ist da etwas im Nebel zu sehen? Alles ist nur ein Traum… Schon beim Besuch haben wir uns über diesen Fleck als „Fehler“ unterhalten.

Wer die Wahl hat (s. das Regalfoto oben), hat die Qual. War aber nicht so schwierig für mich. Ebenfalls etwas ’schräg‘, ohne dass (jedenfalls bei diesem Stück) etwas Absichtsvolles erkennbar wäre. Vergleichsweise leicht (angesichts der kräftigen Wandung), gedreht, extrem grob schamottierter Scherben (der Töpfer sagt, dass nur wenige Keramiker auf der Scheibe mit solchem Ton arbeiten – es sei, als ob man in ein schnell drehendes Sandpapier greife und erfordere einige Übung). Dadurch erinnert die Glasur etwas an madara karatsu. Eigentlich mag ich persönlich einen so scharfen Kontrast zwischen Glasur und Scherben (ziemlich weiß – ziemlich schwarz; erlaubt andererseits yin-yang-Assoziationen) nicht so gern, aber hier kommt es durch die durchscheinenden Flecken zu einem Ausgleich (teilweise sogar zu einem – eingebildeten – grünlichen Schimmer) und der matcha kommt perfekt zur Geltung. Ich gehe davon aus, dass sich auch dieses Stück durch Benutzung verändert, würdevoll altert und seine Schönheit weiter reift. Herzlichen Dank!

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die hier ggf. folgende Werbung stammt nicht von mir..

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