Teezubereitung

Grüner Tee:

„Ich mag keinen grünen Tee!“

„Das ist mir alles zu kompliziert!“

Wie oft habe ich das schon gehört. Wie viele sind überzeugt, keinen grünen Tee zu mögen (trinken dann aber zum Beispiel ein schwarzes Gebräu aus dem Supermarkt, bei dem ich Probleme hätte, es herunterzuschlucken). Woran liegt es?

Ich habe zuhause mal eine kleine Grünteeverkostung veranstaltet mit ca. 10 verschiedenen Grüntees und ebensovielen Teilnehmern, keine überzeugten Grünteejünger. Hinterher wurde allgemein festgestellt:

a.) Es ist überraschend, wie variabel der Geschmack ist. Grüntee ist nicht gleich Grüntee.
b.) Jeder fand (s)einen Tee, den er mochte.

Ich will einfach mal ein paar Kardinalfehler beim Zubereiten benennen, die meines Erachtens zu der (unbegründeten) Ablehnung führen.

1. Falsche Teesorte, mindere Qualität

Nur weil mir eine Teesorte nicht geschmeckt hat, heißt es nicht, dass Grüntee grundsätzlich nicht schmeckt. Wenn ich Weißbier nicht mag, schmeckt mir statt dessen vielleicht Guinness 😉
Tee aus dem Supermarkt muss nicht schlecht sein. Der chinesische Grüntee, den ich mal vom A*di probiert habe, war aber recht herb und nicht ganz einfach zuzubereiten. Ein Tipp: Wer gerne schwarzen Darjeeling mag, dem wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch grüner Darjeeling gefallen. Ich habe diesen schon Leuten untergejubelt, die steif und fest behaupteten, Grüntee absolut nicht zu mögen 🙂

2. Falsche Temperatur, zu lange Ziehzeit, zu viele Teeblätter

Ich habe den Tee-Almanach von Ernst Janssen noch nicht gelesen. Eine Freundin, die sich mit absoluten Top-Tees eingedeckt hatte, sprach mich enttäuscht an, weil sie ihr alle nicht schmeckten. Auf die Frage, wie sie ihn denn zubereite, kam heraus, dass sie getreu dieser (angeblichen) Anleitung kochendes Wasser verwendet, zwei Minuten ziehen lässt und etwas Zitrone dazu gibt. Nur so würden doch die wichtigen gesunden Inhaltsstoffe herauskommen.
Ich weiß – wie gesagt – nicht aus eigener Anschauung, ob es dort so steht. Ich gebe nur zu bedenken, dass Grüntee traditionell anders zubereitet wird, nämlich je nach Teesorte zwischen 50 Grad und 90 Grad, mit teilweise deutlich kürzeren Ziehzeiten je nach Aufguss, und dass diese Tradition schon ziemlich alt ist.
Das allein muss natürlich noch kein Grund sein, so nach dem Motto: „Machen alle so, ham‘ wir immer so gemacht!“
Deshalb mein Motto dazu: „Probieren geht über studieren!“  Wir haben ihre Tees (ein Pai Mu Tan und ein Gyokuro) mal nach meinen gefühlten Erfahrungswerten zubereitet und siehe da – sie waren ein Genuss. Vielleicht mit weniger Catechinen, dafür haben wir ihn wenigstens getrunken.

3. kein gutes Wasser 

Diesen Vorteil hat Sylt (wo der o.g. Herr Janssen wohl seinen Tee kocht), und ich habe in der Tat bei Urlauben dort festgestellt, dass man die zu 2.) erwähnten Erfahrungswerte dort nach oben verschieben kann / muss, ohne den Tee umkippen zu lassen: das dortige Wasser mit weniger Härte und niedrigerem PH-Wert ist anders zu handhaben. Wir hier im Raum Bremen sind auch vergleichsweise gut ‚dran. (Es  ist übrigens schon ein Unterschied, ob ich kaltes Wasser aus dem Hahn nehme oder Warmwasser, das durch den Warmwasserspeicher gelaufen ist.) Bei einem Freund im Heidelberger Raum habe ich mal versucht, einen Gu Zhang Mao Jian zuzubereiten – ohne Wasseraufbereitung keine Chance.

Ist das jetzt kompliziert? Ich meine, nein:

1. Neutrales / weiches Wasser haben oder aufbereiten
2. Sich einen guten Einsteigertee empfehlen lassen
3. Sich an Teemenge, Temperatur und Ziehzeit durch Probieren herantasten, lieber erst weniger heiß und weniger lang. Nicht alles glauben, was auf der Packung steht.

Und dann den Tee aus einer schönen Schale genießen!

Kannentipp für Alltagstee:

Die Mono Filio 0,6 Liter, so sieht sie aus:

Ihr Vorteil ist, dass der Tee sich in dem großen Filter frei entfalten kann. Ein schönes Tokoname- oder Yixing-Kännchen gewährleistet das auch, aber in der Regel bei kleineren Füllmengen und je nach Teefilter oder -rückhaltesystem und Blattgröße mit mehr ‚Flöhen‘.
Größer sollte die Kanne übrigens meiner Meinung nach nicht sein, damit der Tee frisch zeitnah getrunken wird; Ausnahme: eine große Teegesellschaft.

Absolut verboten: ein Stövchen. Das versaut (oxidiert) Grüntee in kürzester Zeit. Zur Not – oder im Sommer gezielt- auskühlen lassen und lauwarm oder kalt trinken.

Auch Umfüllen in eine Thermoskanne ist nichts für den Tee. Deshalb habe ich auch nur ein recht kleines gusseisernes Kännchen. Schnell ausgetrunken ist es prima, vor allem, wenn es vorgewärmt wurde, da es die Temperatur zum Ziehen prima hält. Danach muss der Tee aber zügig getrunken werden, sonst wirkt es wie eine Thermoskanne.

Ein Gedanke zu “Teezubereitung

  1. Pingback: Tee des Tages: Bai Mu Dan „Special Grade Nr. 484″ « Teeschale

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